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Nazmi Cingi:
Erfahrungsbericht: 5. Sommerakademie zur internationalen Streitbeilegung
23.6.2008 – 28.6.2008

2.Block: Alternativen zur Streitbeilegung vor staatlichen Gerichten

Unter der Überschrift Alternative Dispute Resolution (ADR) wurde im zweiten Block Verhandlungsführung geübt sowie Grundwissen der Mediation vermittelt und anschlie-ßend praktisch angewandt. Zunächst führte Dr. Christian Duve in verschiedene Ver-handlungstaktiken ein und stellte mögliche Ursachen für gescheiterte Verhandlungen in Situationen dar, in denen eine Lösung zum beidseitigen Nutzen existiert hätte. Um das Erzielen einer win-win-Situation einzuüben, wurde auf der Grundlage des Gefange-nendilemmas ein praktischer Fall gestellt, in dem sich zwei feindliche erdölexportieren-de Entwicklungsländer gegenüberstehen. In Kleingruppen wurden die Teilnehmer auf-gefordert den Ölpreis jeweils eines Landes zu bestimmen, wobei der Profit auch vom Preis des anderen Lands abhing. Besonders reizvoll an diesem Spiel war, dass Ver-handlungen zwischen den Gruppen nur in beschränktem Maße geführt werden konn-ten. Nicht wenige der Teilnehmer waren zuweilen überrascht, dass Absprachen im Anschluss nicht unbedingt eingehalten wurden. Ähnlich unterhaltsam ging es im Me-diationsworkshop am Donnerstag zu, der von Peter Tochtermann und Jan Heiner Ned-den geleitet wurde. Nach einer theoretischen Einführung durften die Teilnehmer auf der Grundlage eines theoretischen Falls Mediationsverfahren simulieren. Dadurch lernte jeder die Vorteile einer Mediation kennen, wurde aber auch mit ihren Schwachstellen vertraut, etwa der Abhängigkeit des Verfahrens von Vorbereitung und Qualität des Me-diators.

3.Block: Eine Fallstudie - Internationale Schiedsgerichtsbarkeit

Im historischen Senatssaal der Alten Universität begann am Donnerstag der Schieds-gerichtsblock. Unter der Regie von Professor Herbert Kronke wurde ein frei erfundener Schiedsgerichtsfall von den ersten Schritten der Verfahrenseinleitung bis zur Durchset-zung des gewonnenen Schiedsspruchs behandelt, mit anderen Worten von A bis Z. Als Experten der Schiedspraxis wirkten die Anwälte Dr. Patricia Nacimiento und Dr. Dirk Otto, die Generalsekretärin der Deutschen Institution für Schiedsgerichtsbarkeit (DIS) Isabel Mulder sowie Jan Heiner Nedden von der International Chamber of Commerce in Paris mit.

Auslöser des Rechtsstreits waren Rohstofflieferungen zwischen einem chilenischen und kanadischen Unternehmen. Letzteres verweigerte trotz Abnahme der Ware die Bezahlung wegen angeblicher Mängel. In den einzelnen Verfahrensstadien mussten die Teilnehmer, oft in Gruppenarbeit, beispielsweise pathologische Schiedsklauseln untersuchen, Kriterien für die Benennung eines Schiedsrichters erarbeiten oder Grün-de für dessen Ausschluss wegen Besorgnis der Befangenheit bestimmen. Die gefun-denen Ergebnisse wurden jeweils mündlich präsentiert und vom Referentengremium um Professor Kronke beurteilt. Besondere Erwähnung soll die Mitwirkung des lebens-frohen und großartigen australischen Anwalts Michael Polkinghorne finden, der ge-genwärtig in Paris tätig ist. Dieser demonstrierte Techniken sowie Stärken und Schwä-chen des Kreuzverhörs (Cross-examination), indem er zwei der Teilnehmer nach den Regeln dieser Kunst befragte.

 
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